Mit Künstlicher Intelligenz auf dem Weg zum biologischen Anbau
Marjoland zählt mit 20 Hektar Gewächshausfläche zu den größten Rosenzüchtern Europas. Neben einem hochwertigen Sortiment und erstklassiger Qualität nimmt das Unternehmen auch im Bereich Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle ein.
Die Geschichte beginnt 1985, als Joop van den Nouweland und seine polnische Frau Mariola beschließen, den Gurkenanbau aufzugeben und stattdessen Rosen zu kultivieren. Unter dem Namen Marjoland – einer Kombination ihrer Vornamen – legen sie den Grundstein für das Unternehmen. Mehr als vierzig Jahre später führt Sohn Daniël van den Nouweland den Betrieb. Tochter Angelien leitet die eigene Zeitarbeitsfirma Marjo Job. Bei Marjoland arbeiten rund 250 Mitarbeitende, überwiegend aus Polen und der Ukraine. Jährlich liefert das Unternehmen rund 70 Millionen Rosen an Kunden in den Niederlanden (15 Prozent) und den umliegenden Ländern. Die Rosen werden über die Versteigerungsuhren von Plantion, Royal FloraHolland und Veiling Rhein-Maas vermarktet.
Großes Sortiment
Rund zwei Drittel der Produktion entfallen auf die Sorte Red Naomi. Darüber hinaus kultiviert Marjoland zehn weitere Rosensorten in den Farben Weiß, Rosa, Violett, Gelb und Orange. „So können wir Floristen ein möglichst umfassendes Sortiment großblütiger Rosen anbieten“, sagt Vertriebsleiterin Leonie Plasman. „Wir entwickeln unser Sortiment kontinuierlich weiter. Dafür arbeiten wir eng mit Züchtern zusammen und testen auf 2.500 Quadratmetern mehrere neue Sorten. Das ist immer spannend, weil man nie genau weiß, wie sie sich entwickeln. Gleichzeitig gibt uns das die Möglichkeit, uns dauerhaft vom Markt abzuheben.“
Raubmilben und Geckos
Auch im Bereich Nachhaltigkeit möchte sich Marjoland abheben. Gemeinsam mit Koppert, einem Spezialisten für biologischen Pflanzenschutz, wurde ein umfassendes Programm entwickelt, um Schädlinge auf natürliche Weise zu bekämpfen.
„Mitarbeitende von Koppert besuchen uns jede Woche, um zu prüfen, wie wir das ökologische Gleichgewicht in unseren Gewächshäusern optimal erhalten können“, erklärt Leonie Plasman. „Gegen Thripse und Spinnmilben setzen wir beispielsweise Raubmilben ein. Da diese nicht immer in ausreichender Zahl vorhanden sind, sorgen wir dafür, dass eine stabile Grundpopulation erhalten bleibt.“
Zur Bekämpfung bodenlebender Insekten wurden Geckos in den Gewächshäusern angesiedelt. Darüber hinaus hat Marjoland mit Schildläusen, Wollläusen, Napfschildläusen, Blattläusen, Weißen Fliegen und Echtem Mehltau zu kämpfen. An Schautafeln können die Mitarbeitenden schnell erkennen, mit welchem Schädling sie es zu tun haben. Zusätzlich kontrollieren spezialisierte Fachkräfte die Pflanzen regelmäßig auf Schädlingsbefall. Echter Mehltau wird mit Robotern bekämpft, die selbstständig durch die Gewächshausreihen fahren und UV-C-Licht einsetzen.

Einsatz von Künstlicher Intelligenz
Um Schäden frühzeitig zu erkennen, verlässt sich Marjoland nicht allein auf das geschulte Auge der Mitarbeitenden. Am Ende der vier Verarbeitungslinien erfassen Kameras jede einzelne Rose aus vierzehn verschiedenen Perspektiven. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) werden die Aufnahmen anschließend auf Beschädigungen und Auffälligkeiten analysiert.
Da genau bekannt ist, aus welchem Gewächshausbereich eine betroffene Rose stammt, kann die Ursache gezielt bekämpft werden. Sollte der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel dennoch erforderlich sein, bleibt dieser auf ein Minimum beschränkt.
„Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wir Künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen“, sagt Leonie Plasman. „Mit solchen Innovationen entwickeln wir uns kontinuierlich weiter und kommen unserem Ziel, vollständig biologisch zu produzieren, einen großen Schritt näher.“
Mehrfarbige Beleuchtung
Auch im Energiebereich hat Marjoland wichtige Fortschritte erzielt. Die Gewächshäuser werden mit mehrfarbiger LED-Beleuchtung ausgeleuchtet, die exakt auf die Bedürfnisse der Rosen für ein optimales Wachstum abgestimmt ist. Zudem ist die Beleuchtung dimmbar und passt sich automatisch an das natürliche Tageslicht an. Energieschirme reduzieren den Wärmeverlust und erhöhen die Energieeffizienz.
Das für das Pflanzenwachstum benötigte reine CO₂ wird über ein Leitungssystem von OCAP aus dem Rotterdamer Hafengebiet geliefert. Den benötigten Strom erzeugt Marjoland mit einer eigenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage.
„Mit diesen Maßnahmen liegen wir bereits heute vor den Nachhaltigkeitszielen, die die Europäische Union für das Jahr 2030 festgelegt hat“, sagt Leonie Plasman.
Auch beim Wassermanagement setzt Marjoland auf einen nachhaltigen Kreislauf: Regenwasser wird gesammelt und überschüssiges Gießwasser nach der Bewässerung aufbereitet und wiederverwendet. Dadurch muss kein Wasser in Oberflächengewässer eingeleitet werden.
Hand in Hand
Das Ziel ist es, mit möglichst geringem Ressourceneinsatz einen maximalen Zierwert zu schaffen, erklärt Leonie Plasman.
„Wir möchten einen positiven Beitrag für die Umwelt leisten. Gleichzeitig ist dieser Ansatz auch wirtschaftlich sinnvoll, weil er effizient ist. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehen bei uns Hand in Hand.“