Junge Genossenschaftsmitglieder sind die Führungskräfte von morgen
„Im November 2025 kamen Vertreter von Genossenschaften aus ganz den Niederlanden zu Plantion zum Nationalen Genossenschaftstag. Am Vormittag hielt der Dachverband NCR seine Mitgliederversammlung ab, am Nachmittag fand im Versteigerungssaal ein Kongress mit verschiedenen Workshops in kleineren Räumen statt. Im Anschluss sprachen wir mit NCR-Direktor Rob Donker: Wie blickt er auf Plantion?“
Seit mehr als neunzig Jahren unterstützt der NCR (Nationale Coöperatieve Raad) Genossenschaften wie Plantion, Royal FloraHolland, Rabobank und Achmea. Seine Wurzeln liegen in der Landwirtschaft, doch heute sind auch Genossenschaften aus Bereichen wie Energie, Versicherungen und Einzelhandel vollwertige Mitglieder.
Rob Donker wurde, wie er selbst sagt, „zwischen Äpfeln und Birnen geboren“ und entwickelte während seines Studiums an der Agrarischen Hochschule Interesse an der Agrarwirtschaft und der gesamten Wertschöpfungskette – vom Anbau bis zum Verbraucher, mit den Versteigerungen als zentralem Bindeglied. Nach seinem Studium arbeitete er bei der Rabobank.
„Dort habe ich umfangreiche Erfahrungen im Bereich Governance und Mitgliedervertretung gesammelt. Als ich 2021 Direktor der NCR wurde, fügte sich all das auf wunderbare Weise zusammen.“
Was ist das Ziel der NCR?
„Mit Milch, Blumen oder Pflanzen beschäftigen wir uns nicht; unser Fokus liegt ausschließlich auf der genossenschaftlichen Seite unserer Mitglieder. In einer starken und zukunftsfähigen Genossenschaft sind Vorstand und Aufsicht, also die Governance, gut organisiert und ist das Mitgliederinteresse fest in der Unternehmensstrategie verankert. Das erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit, denn auch Genossenschaften müssen auf Veränderungen reagieren. Gerade in der heutigen Zeit.“
Wie sieht Ihre Dienstleistung aus?
„Wir beraten und begleiten Genossenschaften bei spezifischen Fragestellungen, wie der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organen, der Einführung einer neuen Governance-Struktur oder der Schärfung der Strategie. Darüber hinaus bringen wir Vorstände und Aufsichtsräte bei Symposien, Studienreisen und während des Nationalen Genossenschaftstages zusammen. Denn auch Genossenschaften können viel voneinander lernen.“
Ist das genossenschaftliche Geschäftsmodell noch zeitgemäß?
„Ich würde sagen: mehr denn je! In der Agrarbranche hat das genossenschaftliche Modell schon immer gut funktioniert, und auch darüber hinaus ist es sehr erfolgreich. Durch die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft erweitert man gewissermaßen das eigene Unternehmen. Gemeinsam lassen sich viele Dinge einfacher organisieren, wie zum Beispiel die Anschaffung von Maschinen oder der Aufbau einer gemeinsamen Verkaufsorganisation. Der Gedanke, dass man gemeinsam weiterkommt, ist aktueller denn je.“
Siehst du auch Herausforderungen?
„Auf jeden Fall. Wir leben in einer Welt, in der Menschen, Organisationen und Länder mit dem Rücken zueinander stehen. Es wird zunehmend in Kategorien von Gewinnern und Verlierern gedacht, und scheinbar zählt nur noch die kurzfristige Perspektive.“
Gerade deshalb sieht Rob Chancen:
„Genossenschaften bieten einen Gegenpol, indem sie Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen und langfristig denken. Dabei gilt es, aufmerksam zu bleiben und auf Entwicklungen zu reagieren. Im Zierpflanzenbau nimmt beispielsweise die Zahl der Gärtner weiter ab. Kinder übernehmen den elterlichen Betrieb nicht mehr selbstverständlich. Als Genossenschaft muss man sich diesen Veränderungen anpassen.“
Wie sieht diese Anpassung aus?
„Es ist wichtig, den Blick auf die junge Generation zu richten: Gebt ihnen eine zentrale Rolle, sucht das Gespräch mit ihnen und fragt, wie sie die Zukunft sehen, anstatt nur den Mitgliedern ‚im letzten Waggon‘ zuzuhören. Junge Mitglieder sind die Genossenschaftsvorstände von morgen, daher muss man in sie investieren. Glücklicherweise erkennen Genossenschaften zunehmend, wie wichtig das ist.“