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Niemand wusste, was wir tun sollten

Für Henk Wagener, den Inhaber der Gärtnerei ‚t Kleintje begann das „Coronajahr 2020“ am 11. März. An diesem Tag wusste er nicht, was werden würde. Doch die Verzweiflung wich schnell dem Mut. „Niemand wusste, was wir tun sollten. Wir haben einfach alle Stecklinge wie gewohnt eingetopft.”

Am Tag vor der ersten Pressekonferenz von Premierminister Rutte erhielt Henk Wagener (48) mehrere Anrufe von deutschen Kunden: „Ich mache dicht.“ „Mir droht Konkurs.“ „Ich habe ein Problem mit dem Absatz.“ Wagener: „Wir hatten 1.200 Karren bereitstehen, aber die gingen folglich nicht weg. Da habe ich den Ernst der Lage verstanden.” Am nächsten Tag setzte er sich mit seiner Frau Ewelina zusammen, und sie schmiedeten einen Plan.

Mitarbeiter bleiben

Ewelina Wagener (35): „März und April sind immer unsere arbeitsreichsten Monate. Wir standen bereit, um die Stecklinge für die Violen einzutopfen und ein oder zwei Wochen später in die Beete zu säen. Ich sagte: „Wenn wir keine Abnehmer haben, für wen sollen wir dann eintopfen?“ Wir hatten dreizehn Mitarbeiter, die meisten von ihnen Polen. Die Grenzen würden bald schließen. Ich bin in die Kantine gegangen und habe sie gefragt, was sie tun wollten: bleiben oder nach Hause fahren, solange Sie noch konnten. Alle sind geblieben. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Denn es gab noch genug zu tun: entweder die Stecklinge eintopfen oder die Pflanzen wegwerfen, die noch standen.“

Risiko eingegangen

Die Wageners hatten die Kosten überschlagen. Das Wegschmeißen der bestehenden Pflanzen würde sie eineinhalb Tonnen kosten. Das Eintopfen der Stecklinge und das anschließende Wegwerfen der Pflanzen würde sie sechs Tonnen kosten. Sie beschlossen, das Risiko einzugehen und trotzdem einzutopfen. Sie arbeiteten drei Wochen lang, aber es kam kein Handel zustande. Viele Pflanzen mussten vernichtet werden. „Wenn man die Pflanzen unter den Händen wachsen sieht, ist es wirklich schwer, sie wegzuwerfen.“

Die Hand ins Feuer gelegt

Aber dann klingelte das Telefon. Supermärkte und Gartencenter fragten, ob sie liefern könnten. Henk: „Da wusste ich, dass es richtig war, dass wir weiter gearbeitet hatten, statt alles hinzuschmeißen. Ich hatte das Wachstum der neuen Pflanzen durch Absenken der Temperatur im Gewächshaus verlangsamt. So konnten wir allen Pflanzen die Zeit geben, die sie brauchten, und hatten ein reichhaltiges Angebot.” Im Nachhinein sind die Wageners natürlich froh, dass sie die richtige Wahl getroffen haben. Henk: „Einige Kunden haben für uns wirklich die Hand ins Feuer gelegt. Sie bestellten einfach 300.000 Violen, obwohl sie auch nicht wussten, ob sie diese verkaufen konnten.

Definitiv kein „Kleintje“

Mit einem Umsatz von sechs Millionen Pflanzen pro Jahr ist die Gärtnerei definitiv kein „Kleintje“. Henk: „Der Name unserer Gärtnerei ist in der Tat etwas irreführend. „Kleintje“ war der Spitzname meines Großvaters, und mein Vater hat seine Firma nach ihm benannt. Später habe ich die Gärtnerei dann von ihm übernommen.” Und stark modernisiert: Wagener war der erste Züchter in den Niederlanden, der eine Maschine zum Säen und Eintopfen verwendete. „Ich habe die Maschine Ende der 80er Jahre gekauft. Sie hat genauso viel gekostet wie das Haus, das ich in dieser Zeit gekauft habe: zwei Tonnen.”

Osterkerze abgebrannt

Dreißig Prozent der gesamten Produkte werden über Plantion gehandelt. Der Rest wird bei anderen Versteigerungen veräußert, und im Frühjahr wird auch an Privatpersonen verkauft. Selbst in diesem Corona-Jahr waren zwei- bis dreihundert Kunden pro Tag keine Ausnahme. Wageners 14-jähriger Sohn und seine 10-jährige Tochter putzten die Karren und wiesen die Leute in die Richtung, in die sie gehen sollten. Henk: „Rückblickend war es ein spannendes Jahr, in dem ich regelmäßig unsere Osterkerze angezündet habe. Das mache ich jedes Jahr, aber die von 2020 ist fast komplett abgebrannt!”

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